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Check-up 35: Alles gesund?

In Deutschland hat jeder gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf einen Gesundheitscheck – den Check-up 35. Er kann gesundheitliche Risiken aufdecken
von Gerlinde Gukelberger-Felix, 12.09.2017

Zum Check-up 35 gehört unter anderem eine Blutdruck-Kontrolle

istock/Andrej Popov

Sie fühlen sich gut. Das heißt aber nicht unbedingt, dass Sie auch ganz gesund sind. Ein regelmäßiger Gesundheitscheck kann Risikofaktoren wie beispielsweise grenzwertige oder bereits erhöhte Werte für Blutzucker, Blutdruck oder Blutfette feststellen. Bleiben sie unentdeckt können sich daraus – mitunter ziemlich unauffällig – Krankheiten wie Bluthochdruck, Typ 2-Diabetes, Gicht, Nieren- und Herzerkrankungen entwickeln. Wer seine Risiken kennt, kann gegensteuern – zum Beispiel mit Lebensstiländerungen oder auch mit Medikamenten. Kurz: Der Check-up 35 bietet die Chance auf ein möglichst gesundes Altern.

Die Früherkennungsuntersuchung ist freiwillig. Niemand muss daran teilnehmen. Sie bringt unter Umständen auch gewisse Nachteile mit sich. Ergeben sich zum Beispiel Auffälligkeiten, folgen in der Regel weitere Untersuchungen zur Abklärung. Ein einzelner Parameter reicht üblicherweise nicht aus, um eine Diagnose zu stellen. Manchmal handelt es sich letztlich um einen "falschen Alarm". Dann hat man sich unnötig Sorgen gemacht. Andererseits: Deckt der Check-up Krankheitsrisiken auf, kann er von großem Nutzen sein. Wer seine Lebensgewohnheiten entsprechend anpasst, verhindert damit meist Schlimmeres.

Was beinhaltet der allgemeine Gesundheitscheck?

Er unterteilt sich grob in ein ausführliches Eingangsgespräch, auch Anamnese genannt, eine Ganzkörperuntersuchung, Blutdruckmessung, Urinprobe und Blutentnahme, um wichtige Parameter bestimmen zu können, sowie in ein abschließendes Beratungsgespräch.

Was der Arzt bei der Anamnese wissen möchte

Welche Informationen sind für ihn wichtig? Das sind alle Informationen zu

  • bereits bestehenden Erkrankungen
  • zur Einnahme von Medikamenten
  • zu Operationen
  • zu einem etwaigen familiär erhöhten Risiko (beispielsweise Brustkrebs, Darmkrebs und Fettstoffwechselerkrankungen)
  • zu Ihrer aktuellen Gesundheitssituation
  • Größe und Gewicht, woraus er den Body-Mass-Index (BMI) berechnen kann
  • Ernährungsgewohnheiten, Alkoholgenuss, Rauchen
  • Stresspegel und Ihrer Fähigkeit zur Stressbewältigung
  • sportlicher Aktivität und
  • zum aktuellen Impfstatus

Es ist ratsam, sich bereits vor dem Arztbesuch hierüber Gedanken zu machen, um möglichst umfassend Auskunft geben zu können. Aus den Angaben und den Untersuchungsergebnissen kann der Arzt ableiten, was zu tun ist, um etwaige Risikofaktoren für Erkrankungen auszuschalten.

Was beinhaltet die Ganzkörperuntersuchung?

Der Arzt beurteilt den Bewegungsapparat, schaut beispielsweise auf Haltungsschäden, Beckenschiefstand und Wirbelsäulenverkrümmung (Skoliose). Er wird bei einem höheren BMI auch auf die Gewichtsverteilung achten. Eine Fettansammlung im Bauchraum kann ein erhöhtes Erkrankungsrisiko bedeuten, da vermehrt ungünstige, entzündungsfördernde Stoffe entstehen. Der Arzt tastet den Bauchraum ab, überprüft Nervensystem und Sinnesorgane. "Sehr zu empfehlen ist ein Ultraschall der Bauchorgane", sagt die Hausärztin Dr. Petra Reis-Berkowicz, die auch geschäftsführendes Vorstandsmitglied des bayerischen Hausärzteverbandes ist. Der Ultraschall sei leider nicht genereller Bestandteil des Check-up 35, wäre ihrer Meinung nach aber wichtig. "Der Arzt kann ihn aber machen, wenn er einen Verdacht hat, und dann im Rahmen der Regelversorgung abrechnen."

Weitere wichtige Untersuchungen

Mit dem Stethoskop horcht der Arzt Herz und Lungen ab, misst die Pulsfrequenz und überprüft, ob der Herzrhythmus regelmäßig ist. Hat er den Verdacht einer Herzrhythmusstörung, kann er zur weiteren Abklärung ein Elektrokardiogramm (EKG) anfertigen. Das wird er auch tun, wenn bei der Anamnese deutlich wurde, dass der Patient bei Belastung Brustschmerzen oder Atemnot hat. Die Blutdruckmessung kann Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall, für einen Herzinfarkt oder ein Nierenversagen ergeben. Bei oberen Blutdruckwerten zwischen 130 mmHg und 139 mmHg spricht man von hochnormalen Blutdruckwerten, ab 140 mmHg von Bluthochdruck. Viele Hausärzte kombinieren den Check-up 35 mit einem Hautkrebsscreening, das die gesetzlichen Krankenkassen unabhängig vom Check-up 35 ab einem Alter von 35 bezahlen, manche bereits ab dem Alter von 18 oder 20 Jahren.

Welche Informationen liefert die Urinprobe?

Der Urin wird auf Eiweiß, Glukose, Nitrit sowie auf rote und weiße Blutkörperchen untersucht. Was kann der Arzt daraus ableiten? Glukose im Urin kann auf einen Diabetes hindeuten, rote Blutkörperchen im Urin auf Entzündungen, Infektionen, und selten auch auf Tumore. Einzelne Laborwerte sind allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig. Auffällige Werte sind nicht immer Zeichen einer Krankheit. Bei weißen Blutkörperchen im Urin könnte eine Entzündung oder Infektion, etwa eine Harnwegsinfektion, vorliegen. Zeigt der Teststreifen Nitrit an, dann spricht das für eine bakterielle Infektion. Der Nachweis von Eiweißstoffen im Urin hilft dabei, einen Nierenschaden im Frühstadium zu erkennen. Sicherheitshalber sollte in diesem Fall der Urin nach zwei bis vier Wochen erneut auf Eiweiß untersucht werden. Es kann auch aufgrund einer akuten Entzündung wie einer Harnwegsinfektion zu vermehrter Eiweißausscheidung kommen. Ist der zweite Test ebenfalls auffällig, könnte es sich womöglich um einen Nierenschaden handeln.

Wozu dient die Blutuntersuchung?

Sie erfolgt morgens und im nüchternen Zustand. Andernfalls sind die gemessenen Blutwerte nicht aussagekräftig. "Die meisten Krankenkassen bezahlen im Rahmen des Check-ups zunächst nur für die Bestimmung des Nüchternblutzuckers und des Gesamtcholesterins. Eine Ausnahme mit deutlich mehr Laborparametern leistet der Check-up für Teilnehmer am HzV-Vertrag", sagt Reis-Berkowicz. HzV bedeutet hausarztzentrierte Versorgung. Bei diesem speziellen Kassenangebot ist der Hausarzt immer erster Ansprechpartner, er übernimmt sozusagen eine Lotsenfunktion. Er hat dann auch die Möglichkeit, weitere Werte wie Leber-, Schilddrüsen- oder Harnsäurewerte zu untersuchen.

Der Nüchternblutzuckerwert: Anhand des Blutzuckerwertes ist ein Risiko für Typ 2-Diabetes feststellbar. Werte zwischen 60 und 100 mg/dl (5,6 mmol/l) im kapillaren Vollblut gelten als normal. Liegt der Blutzuckerwert jedoch zwischen 100 und 125 mg/dl kann dies ein Hinweis auf einen Prädiabetes sein, eine Art Diabetes-Vorstadium. In diesem Fall wird der Arzt einen oralen Glukosetoleranztest (OGTT) veranlassen. Er zeigt, wie stark der Blutzucker nach Trinken einer definierten Zuckerlösung steigt. Blutzuckerwerte ab 126 mg/dl (7,0 mmol/l) legen nahe, dass es sich um einen Typ 2-Diabetes handelt.

Der Gesamtcholesterinspiegel: Die Bestimmung des Gesamtcholesterinspiegels soll dazu dienen, ein erhöhtes Risiko für eine Arteriosklerose  ("Arterienverkalkung") sowie für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erkennen. Das Gesamtcholesterin sollte nicht über 200 mg/dl, maximal 220 mg/dl liegen. Wenn doch, kann das ein erster Hinweis auf erhöhte Blutfette und eine möglicherweise erblich bedingte Fettstoffwechselstörung sein. "Es gibt jedoch auch Menschen bei denen ein Wert von 200 mg/dl noch keinen Krankheitswert hat. Insbesondere bei übergewichtigen oder familiär vorbelasteten Menschen ist es wichtig, zusätzlich die Werte für das "schlechte" LDL und  das "gute" HDL zu messen und auch ihren Quotienten zu berechnen", rät Reis-Berkowicz. Diese Größen hätten mehr Aussagekraft als der Gesamtcholesterinwert alleine.

Was Sie beim Abschlussgespräch erwartet

Im Gespräch informiert Sie der Arzt über Ihren Gesundheitszustand, Ihr individuelles Risikoprofil und die weitere Vorgehensweise. Er zeigt auf, wie Sie Risikofaktoren durch Lebensstiländerungen beeinflussen können. Das können beispielsweise Ernährungsumstellungen sein, um LDL abzusenken. Wer gesättigte Fettsäuren möglichst oft durch ungesättigte Fettsäuren ersetzt, kann den Wert für LDL eventuell etwas drücken. Bei einem Prädiabetes kann mehr Bewegung ratsam sein. Arbeitende Muskeln nehmen mehr Blutzucker aus dem Blut auf. Blutzuckerwerte bessern sich unter Umständen wieder. Falls weitergehende Untersuchungen nötig sein sollten, wird auch dies Thema des Abschlussgesprächs sein. "Durch regelmäßige Vorsorge ist es möglich, spätere chronische Erkrankungen zu verhindern und so eine hohe Lebensqualität auch noch bis ins fortgeschrittene Alter zu erhalten", so Reis-Berkowicz. Diese Chance sollten Sie nutzen.



Bildnachweis: istock/Andrej Popov

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